Liebe Leserin,
dieses Bonuskapitel spielt direkt nach Kapitel 11 von Hidden Chains (Band 3 NY Legacy) und ist eine Deleted Scene. Sie verfolgt den kleinen Gedanken: Was wäre, wenn Davide mit Jenna ein Kleid gekauft hätte, statt es seiner Mutter zu überlassen?
Viel Spaß mit der kleinen Shopping Tour.
Deine Callie
Ich lenke den Dodge durch die Tiefgarage, bis ich einen passenden Platz gefunden habe. Jenna hat nicht ein Wort gesprochen, seit wir losgefahren sind. Stattdessen sitzt sie verkrampft auf dem Beifahrersitz und knetet die Finger in ihrem Schoß.
Sie hat mir schon zu verstehen gegeben, dass es ihr unangenehm ist, wenn ich ihr ein Kleid für die Hochzeitsfeier kaufe, aber ich habe nicht geahnt, dass es ihr so sehr widerstrebt, dass sie wie ein eingeschüchtertes Kind keinen Ton mehr über die Lippen bekommt.
Aber ich werde nicht von meinem Plan abweichen. Dafür bin ich zu selbstsüchtig. Ich möchte sie bei dieser Hochzeit dabeihaben. Ich will ihr offenes Haar sehen und ich will endlich wissen, wie sie ohne diese viel zu weiten Klamotten aussieht. Ich will sehen, was sich unter diesen viel zu weiten Klamotten versteckt und ich will aufhören müssen, es mir nur vorzustellen.
Als ich den Motor abstelle, klettert Jenna schneller aus dem Wagen, als ich ihr die Tür öffnen kann. Wenn Mamma sehen würde, dass ich ihr nicht die Tür öffne und Jenna aus dem Wagen helfe, würde sie die Nase rümpfen. Wir mögen zwar die Cosa Nostra sein, aber unsere Mutter hat viel Wert darauf gelegt, dass wir Frauen unseren Respekt zeigen. Ich will Jenna meinen Respekt zeigen und ich hoffe, sie lässt mich.
Ich fasse ihren Ellenbogen und dirigiere sie zu der Tür, die uns in das Geschäft führen wird. Heute Morgen gleich nach unserem Gespräch, habe ich uns angekündigt, weshalb wir auch direkt in Empfang genommen werden.
»Herzlich willkommen bei Verne & Sloane, Mr und Mrs Mancini«, begrüßt uns unsere persönliche Verkäuferin. »Ich bin Lola und heute für Sie zuständig.«
Ich bin kurz irritiert darüber, dass sie Jenna als meine Frau anspricht, denn so habe ich uns nicht angekündigt. Aber so wie Jenna sich an mich klammert, muss sie wohl ihre Rückschlüsse gezogen haben. Ich komme jedoch nicht dazu, Lola zu korrigieren, denn sie marschiert schon vorweg und deutet uns an, mitzukommen.
»Wieso hält sie mich für deine Ehefrau?«, zischt Jenna mir zu, und der Schreck ist ihr deutlich anzusehen.
»Nur ein Versehen«, antworte ich und drücke ihre Hand, bevor ich sie weiter vorwärts schiebe, um Lola zu folgen.
Im Verkaufsraum bleibt Jenna plötzlich stehen, rammt ihre Fersen in den weichen Teppich und hindert mich daran, sie weiterzuführen. Ihre Augen sind riesig, als sie zu mir herumwirbelt.
»Das ist nicht angemessen«, murmelt sie und blickt auf den Boden.
»Nicht angemessen wofür?« Ich mache eine ausladende Geste durch den Raum. »Wir wollen ein Kleid für eine Hochzeitsfeier kaufen. Ich halte das hier für sehr angemessen.«
Sie holt tief Luft. »Nicht angemessen für jemanden wie mich.«
»Was?« Ich weiß nicht, ob ich aufgebracht oder schockiert von ihrer Aussage sein soll, aber die Art, wie sie es ausspricht, trifft mich direkt in der Brust. Sie sollte nicht so über sich selbst denken. Es gibt keinen vernünftigen Grund, der ihrer Aussage rechtgeben könnte.